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 Die Gänge im zweiten Stock

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Lucien Terrell
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BeitragThema: Die Gänge im zweiten Stock   So Feb 06, 2011 10:48 am

Die Wände sind hellorange gestrichen und oben am Rande der Decke ist ein weißer Streifen. Ebenso ist die Decke weiß. Die Fenster sind relativ groß, lassen viel Licht hinein. Ein orangener Teppich liegt am Boden, die Atmosphäre ist gemütlich und heimelich.

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~just belaying the one's he loves~
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David Wenzel
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BeitragThema: Re: Die Gänge im zweiten Stock   Di Okt 04, 2011 4:29 pm

Immer dasselbe“, dachte sich David. „Schon Wahnsinn, wie wenig Zeit Frauen brauchen, um fast alle Gefühle zum Ausdruck bringen zu können. In zehn Minuten von genervt über freundlich bis hin zu total dämlich, alles abgerundet durch eine Prise Drama. Und was ist das Ergebnis? Alle anderen haben Mitleid.“ Seine Gedanken gingen nun durch die letzten Minuten, auch wie die da Costa, zärtlich, wie üblich, sie einfach über den Boden schleifte und eine verwirrte Direktorin aus dem Zimmer rannte.
Dass sie zu ihrem Büro rannte, konnte selbst David verstehen, doch was die da Costa da mit dieser Stimme, die er vielleicht von einer hilfebedürftigen Studentin erwartet hätte, aber keinesfalls von der Spanierin, plärrte, konnte er beim besten Willen nicht übersetzen. David schmunzelte: „Kaum zu glauben, dass sie auch eine Stimme wie eine Frau haben kann.“ Der Groll von vorhin war schon wieder vergessen, momentan litt er nur mit der Direktorin.
David ging vor die Tür, legte Natalia eine Hand auf die Schulter und sagte: „Auch wenn ich hier nicht der Psychologieprofessor bin, denke ich, ich habe ebenso Recht wie Sie, wenn ich sage, dass sie wohl etwas ihre Ruhe braucht. Ich wollte heute abend in die Stadt fahren und würde mich freuen, wenn Sie mitkommen würden, ich wäre über etwas Gesellschaft sehr erfreut“, fragte David und insgeheim hoffte er, sie würde zusagen, denn auf irgendeine Art und Weise mochte er sie doch.
Genau in diesem Moment ging die Tür auf und eine leicht verheulte Direktorin, die in einem alten Pullover steckte, kam zu Tür hinaus und er freute sich, dass es ihr besser zu gehen schien…
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Natalia de Costa
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BeitragThema: Re: Die Gänge im zweiten Stock   Mi Okt 05, 2011 8:42 pm

cf: Das Büro der Direktorin

Natalia wirbelte herum, als sie die Stimme hinter sich vernahm und in die dunklen Augen des jungen Mathematikprofessors blickte. Ihre eigenen verengten sich zu Schlitzen. Es stimmte, sie war nicht besonders einfühlsam, aber sie wusste, mit Leuten umzugehen. Und er, der er immer rational dachte, wollte ihr, die sie mehr Ahnung von menschlicher Psyche hatte, als die meisten, vorschreiben, was besser und schlechter wahr, in dieser Situation? Natalia presste die Lippen so fest aufeinander, dass alles Blut herauswich und ihre Augen funkelten düster. Elegant trat sie einen Schritt zurück, sodass Davids Hand sanft von ihrer Schulter glitt. Was erlaubte der sich, sie einfach anzufassen?! Soweit kam es noch! Dann jedoch wich der Zorn der Verwirrung. Er würde sich über ihre Anwesenheit freuen? War er krank? Oder lebensmüde? Oder gar beides. "Sicher...", antwortete sie total perplex von dem, was ihr da angeboten wurde und sah David erstmal nur ein wenig verdutzt an. Das war ein schrecklicher Tag! Nicht nur, dass die Kaffemaschine kaputt war und sie den Frust aller Kaffeesüchtigen am Hals hatte, nein, sie war auch noch in eben jenes, stinkendes Gebräu getränkt, ihre Vorgesetzte und einzige halbwegs Vertraute war völlig fertig mit den Nerven und Natalia war nicht fähig etwas zu tun und dieser David nicht nur so, als verstünde er etwas von psychologie, nein, er wollte mir ihr, Natalia in die Stadt gehen! Alleine! Diese Welt stand Kopf und Natalia wurde ein wenig schwindelig!
Das war alles sehr, sehr merkwrürdig!
"Ich werde kommen. Wann und wo?", sprach sie weiter mit der charmanten Stimme, wie sie sie aufsetzte, wenn ein junger Kerl, der offenbar Interesse an ihr hatte, zu ihr kam. Doch rasch wechselte sie wieder in ihren alten Tonfall. "Wir werden etwas zum Reperieren für die Kaffeemaschine kaufen, oder?"
Erste Regel: Kein Verhältnis mit Kollegen
Zweite Regel: Kein Verhältnis auf der Flucht, das länger dauern könnte
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David Wenzel
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BeitragThema: Re: Die Gänge im zweiten Stock   Do Okt 06, 2011 2:57 pm

„Nun, wäre Ihnen so gegen 17:00 Uhr recht? Ich würde Sie abholen“, sagte David, etwas verdutzt, dass die sonst so unnahbare Kollegin zugestimmt hatte. Fast bereute er es schon, sie gefragt zu haben, doch er hoffte, dass sie vielleicht in ihrer Freizeit etwas umgänglicher war als normalerweise. Trotzdem war David in jedem Fall erleichtert, denn selbst eine zickige, nervtötende und besserwisserische Kollegin dabei zu haben, war besser als gar nichts. Zumindest redete er sich das ein.
„Ich fürchte, diese Kaffeemaschine kann man nicht mehr reparieren, die wird höchstens dem Kollegen für Kunst und Design gefallen, weil sie neue Teile zum Basteln bringt. Wir müssen also eine neue kaufen, ich denke, dass kommt Ihnen sogar gelegen, vor allem, weil es weniger Zeit beansprucht. Außerdem ist momentan eh nie jemand an der Schule, der sie reparieren könnte.“
David war schon gespannt, wie Madame da Costa sich verhalten würde. „Ob sie berufliche Dinge erzählt? Oder wird sie etwas aus sich herauskommen und versuchen, ihr Image zumindest bei einem Kollegen etwas aufzupolieren, der alte Drache? Oder ist sie am Ende noch so eine, die zwar immer denkt, aber nie redet?“ Der Mathematikprofessor war sich unsicher und beschloss, einfach abzuwarten, was das alte Kampfhuhn machen würde.
Irgendwie fühlte er, obwohl er keine Ahnung von Psychologie hatte, dass selbst unter ihrer harten Schale ein weicher Kern sein musste. Von außen sah sie zwar aus wie ein Filmstar kurz vor der Verleihung eines Oscars, aber es hatte den Anschein, als sähe sie von innen aus, wenn eine Art innere Person sichtbar existieren würde, wie das weibliche Gegenstück zu dem Physiklehrer, den er in der achten Klasse hatte, dessen Kleiderschrank aus 4 Teilen bestand und der nach Rauch und Kaffee stank, dass sich die Schüler aus der ersten Reihe fast übergeben hätten. Er bat, ja er flehte fast schon innerlich, dass er mit dieser Behauptung Unrecht hatten, und sie von innen genauso war, wie sie von außen aussah.
Seine Gedanken gingen nun zur Direktorin über. „Woher hat sie jetzt diesen alten Pulli? Und warum tritt sie damit in die Öffentlichkeit?“ Sie, die sonst immer so tipptopp angezogen war…in einem alten, ausgefranzten Kleidungsstück, das vielleicht nach kaltem Wintertag aussah, aber keinesfalls nach Direktorin. David entschied sich, sich keine Gedanken mehr über den Kleidungsstil seiner Chefin zu machen, sondern es ihr selbst zu überlassen, denn sie verstand garantiert mehr von Mode als er und er hatte wohl nur mal wieder den letzten Trend verschlafen.
„Nun, ich freue mich auf heute Abend“, sagte er, nickte leicht und lächelte die Professorin an.
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Danielle Lavie
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BeitragThema: Re: Die Gänge im zweiten Stock   Mi Okt 26, 2011 3:13 pm

Verdammt, was soll das denn jetzt? Ausgerechnet die beiden stehen natürlich auf dem Gang herum, wenn ich mich gerade wieder halbwegs aus meinem Loch traue... Verdammt, diese Welt ist nun wirklich nicht gerecht!
Danielle hätte schon wieder heulen können. Jetzt hatte sie sich gerade wieder halbwegs gefangen, da begegnete sie auf dem Gang ausgerechnet diesen beiden Professoren! Es war absolut offensichtilich, dass sie geweint hatte, das wusste Danielle aus Erfahrung. Wenn sie einmal anfing, dann konnte sie solange nicht zu weinen aufhören, bis sämtliche Tränen aufgebraucht waren und Danielle hatte eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie sie aussah, wenn sie veheult war: verschmierte Wimperntusche auf den Wangen, angeschwollene Augenpartie, rote, laufende Nase und zerzaustes Haar. Wetterhexenfrisur hatte ihre Mutter das immer genannt... Der Gedanke an diese nun schon so lange vergangene Zeit, als sie noch klein gewesen war und es ihr nicht derartig peinlich gewesen war, ihre Gefühle offen zu zeigen, tröstete sie und er erinnerte sie auch an ihr Lieblingsgedicht, ein Gedicht von Paul Eluard, das ihr ihre Mutter immer dann aufgesagt hatte, wenn Danielle gerade das Gefühl gehabt hatte, dass alles schrecklich war. Danielle musste unwillkürlich lächeln - Lyrik war ihr immer schon die liebste Sparte der Literatur gewesen und hatte sie immer schon getröstet. Langsam begann sie, mitten auf dem Gang zwischen ihren beiden Kollegen, eben jenes Gedicht leise zu rezitieren:

"Et un sourire - de Paul Eluard
La nuit n'est jamais complète
Il y a toujours, puisque je le dis
Puisque je l'affirme
Au bout du chagrin
Une fenêtre ouverte
Une fenêtre éclairée
Il y a toujours un rêve qui veille
Désir à combler, faim à satisfaire
Un coeur généreux
Une main tendue, une main ouverte
Des yeux attentifs
Une vie, la vie à se partager"

(für die unter uns, die des Französischen nicht mächtig sind:
Und ein Lächeln - von Paul Eluard
Die Nacht ist nie vollkommen
Es gibt immer, weil ich es doch sage
Weil ich es doch beteuere
Am Ende des Leids
Ein offenes Fenster
Ein erleuchtetes Fenster
Es gibt immer einen Traum, der erwacht
Verlangen zu befriedigen, Hunger zu stillen,
Ein großzügiges Herz
Eine ausgestreckte Hand, eine geöffnete Hand
Achtsame Augen
Ein Leben, das Leben um es zu teilen.")

Danielle atmete tief durch, als könnte sie all die Zuversicht und Hoffnung, die dieses kurze Gedicht ihr geschenkt hatte, tief in sich einsaugen, sodass sie ihren ganzen Körper und Geist ausfüllten und kein bisschen Raum mehr für negative Gedanken und sorgen ließen. In einem solchen Moment schämte sich Danielle beinahe, bei so einer verhältnismäßig kleinen Schwierigkeit in einer derartigen Weltuntergangsstimmung gewesen zu sein. Sie lächelte. Ok, es ist peinlich, sehr peinlich sogar. Aber es ist keine Katastrophe passiert und es wird alles wieder gut werden.
Danielle wandte sich an ihre Kollegen: "Entschuldigen Sie mich bitte noch für einen Moment? Ich würde mich gerne noch ein wenig frisch machen, wenn Sie gestatten?" Sie grinste. "Ich sehe vermutlich mittelmäßig sch..." - beinahe war ihr das böse Wort herausgerutscht- " schlimm aus"
Danielle lächelte entschuldigend und machte sich dann auf den Weg zur Toilette.

tbc: die Damentoiletten (im zweiten Stockwerk)
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Jenny Mondriá
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BeitragThema: Re: Die Gänge im zweiten Stock   Mi Jan 11, 2012 8:20 pm

cf.: Die Damentoiletten (im 2. Stockwerk)

Jenny lief den Gang hinab. „Scheiße, schon die erste Vorlesung in ein paar Minuten!“ Wie jedes Jahr war ihre erste Vorlesung Professor Lavies Deutschstunde und wie jedes Jahr war sie zu spät dran, das hatte wohl Tradition. Gerade merkte die Studentin, dass man auf Stöckelschuhen echt nicht laufen sollte, schon gar nicht, wenn man einen Block in der Hand hielt.
Plötzlich rutschte Jennys linker Fuß weg! Der Block flog ihr aus der Hand den Gang entlang bis fast zur Tür. „Ach, fuck!“, dachte sie noch dann spürte sie zuerst die Ellbogen, dann die Brust, dann die Unterarme, dann die Hüfte und dann die Knie dicht gefolgt von den Füßen schmerzhaft aufprallen. Am liebsten hätte sie losheulen wollen, doch dann wäre die ohnehin schon schlecht aufgetragene Kriegsbemalung vollends verlaufen und sie würde noch schrecklicher aussehen.
Jenny spürte ihr linkes Knie pochern, es wurde schon ganz dick. Als sie an sich heruntersah, bemerkte sie, dass sie zum Glück nur zwei leichte Verletzungen hatte: Das Knie und ein Schienbein, das schon blau anzulaufen begann. Schnell rieb sie daran, um den Schmerz zu lindern und einem blauen Fleck vorzubeugen.
Langsam richtete sie sich wieder auf und nahm ihren Block unter den Arm. Die Studentin beschloss, lieber zu spät und gesund zu kommen als pünktlich und verletzt. Dennoch legte sie einen schnelleren Schritt ein und bog um die Ecke. Sie erschrak, als sie bemerkte, dass sie eine Dame in rotem Pulli fast umgerannt hätte.
„Verzeihung, Frau Lavie! Ich wollte Sie nicht umrennen. Ich bin nur etwas spät dran. Gut, dass ich noch ein paar Minuten habe. Einen schönen Pullover haben Sie da an, der ist bei den Temperaturen in manchen Räumen hier drin wohl das Richtige. Schade, dass ich nicht auch so einen habe…“
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Danielle Lavie
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BeitragThema: Re: Die Gänge im zweiten Stock   Di Jan 17, 2012 4:06 pm

"Jenny!" Danielle schrie auf. "Haben Sie mich aber erschreckt! Da geht man so nichtsahnend um die Ecke und da stürzt einem gleich eine Studentin entgegen..."
Danielle lächelte verschmitzt.
"Freut mich übrigens, dass du mir nichts weniger charmantes über meinen Pullover gesagt hast... du musst wissen, er ist zwar extrem gemütlich, aber sicherlich nicht die haute couture, wenn ich es mal ganz vorsichtig ausdrücken darf. Ich hatte heute früh auch eigentlich etwas meines Amtes eher würdiges an, nur ist meine Bluse, genauso wie mein Blazer und die dazu passende Hose einem kleinen, nun, nennen wir es "Missgeschick" zum Opfer gefallen..."
Danielle musste bei dem Gedanken an ihren nun doch sehr turbulenten Morgen schmunzeln.
"Wie geht es Ihnen, Jenny? Wie waren Ihre Semesterferien?"
fragte sie anschließend. "Was haben Sie gemacht? Und seh ich es richtig, dass das nun Ihr letztes Semester hier ist, Jenny? Wissen Sie denn schon, was Sie danach machen wollen?"
Danielle sah ihre Studentin an. Hinter ihren Fragen stand nicht der übliche Smalltalk, sondern ehrliches Interesse. Danielle erinnerte sich zurück: Jenny hatte sie in deren erstem Semester kennengelernt, es war das Jahr gewesen, in dem sie selbst Direktorin geworden war. So lange ist das jetzt schon her...
In diesem Moment spürte Danielle eine Art Stolz in sich aufwallen... Meine erste Studentin, die ihr Germanistikstudium komplett bei mir absolvieren wird....
Und im selben Moment spürte Danielle wieder einmal dieses alte Gefühl der Gewissheit, dass sie ihren Beruf liebte und ihn trotz aller Schwierigkeiten, die sie damit manchmal hatte, niemals aufgeben würde.
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Jenny Mondriá
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BeitragThema: Re: Die Gänge im zweiten Stock   Di Jan 17, 2012 5:16 pm

"Verzeihen Sie, Professor, ich wollte Sie nicht erschrecken!" Jenny hatte plötzlich ein schlechtes Gewissen, weil sie ihrer Lieblingsprofessorin so einen Schrecken eingejagt hatte. Wenn sie käsebleich gewesen ist, wurde ihr Gesicht sofort wieder normal, weil sie sich so freute, dass Professor Lavie sich immer noch an ihre ersten Studenten erinnerte.
Schnell wechselte die Schülerin das Thema: "Darf ich Sie fragen, was das Missgeschick war?"

Jenny erinnerte sich von dem duzen irritiert an die Fragen, mit denen sie gerade überhäuft worden war. "Meine Ferien waren wunderschön, ich bin in meine Heimat gefahren und hab vier unglaubliche Wochen verbracht. Sie ahnen nicht, wie schön es in Italien sein kann."

"Stimmt, das ist ja mein letztes Jahr", dachte sie und bestätigte den Glauben ihrer Professorin. "Ich kann es auch nicht glauben, dass diese schöne Zeit zu Ende sein soll... Am liebsten würde ich ja gleich dableiben, es wäre ja mein absoluter Traum hier an der Uni zu bleiben und vielleicht sogar zu unterrichten. Eine Fremdsprache bieten wir ja nicht an und nachdem es meine Muttersprache ist... nunja, es würde mir Spaß machen, sie zu unterrichten.
Kann es eigentlich sein, dass wir der erste Jahrgang sind, der bei Ihnen das Studium beenden wird?"
Jenny sah die Direktorin ungläubig an und fühlte etwas Stolz in ihr aufsteigen.

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Danielle Lavie
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BeitragThema: Re: Die Gänge im zweiten Stock   Do Feb 02, 2012 4:21 pm

"Nun, ich hatte einen kleinen Unfall mit der Kaffeemaschine", beantwortete Madame Lavie die erste von Jenny`s Fragen und wurde ein wenig rot beim Gedanken an diese doch ziemlich peinliche Aktion, "aber so schlimm war es auch nicht..." Danielle war ihre Weltuntergangsstimmung von vorher nun ein wenig peinlich und sie wechselte daher schnell das Thema.
"Italien ist wirklich wunderschön. Früher war ich öfter in den Semesterferien dort, gemeinsam mit...", an dieser Stelle unterbrach sie sich schnell. "Naja, es war wirklich immer sehr schön dort, ich mag einfach gern die Wärme und diesen südlichen Flair dort. Und natürlich hat auch das Mittelmeer seinen ganz besonderen Reiz. Aber das ist alles schon sehr lange her und ich war schon sehr lange nicht mehr in Italien."
Die Erinnerung an die wunderschönen Ferientage mit Thomas in Italien verdunkelten ihre Simmung wie dunkle Gewitterwolken.
Sei nicht traurig, dass etwas vorbei ist, sondern sei froh, dass etwas gewesen ist, versuchte Danielle sich zu trösten, doch es gelang ihr nicht besonders gut. Von wem stammte dieses Zitat eigentlich? Danielle wusste es nicht, aber eigentlich war es ihr auch egal. Trösten konnte er sie sowieso nicht, nicht darüber.
Der ist genauso blöde wie "Zeit heilt alle Wunden", dachte Danielle bei sich. Und doch musste sie sich eingestehen, dass es tatsächlich mit der Zeit besser geworden war. Zwischendurch klopfte der Schmerz zwar wieder an, in manchen Situation, die sie an ihren Verlust erinnerten, aber inzwischen führte sie wieder ein recht zufriedenes und glückliches Leben und wenngleich sie diese Erlebnisse wohl nie vergessen würde, war sie doch sicher, dass sie eines Tages wieder genauso glücklich sein würde wie zuvor.
Doch jetzt wollte Danielle wirklich nciht länger über all diese alten Dinge nachdenken und beantwortete lieber Jenny`s letzte Frage:
"Ja, Sie sind tatsächlich der erste Jahrgang, der sein Studium komplett bei mir absolviert. Mein Jahrgang", setzte sie noch liebevoll hinzu.
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Jenny Mondriá
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BeitragThema: Re: Die Gänge im zweiten Stock   Do Feb 02, 2012 4:44 pm

"Oh ja, das Problem mit technischen Geräten... da scheine ich wohl Ihre Angewohnheit übernommen zu haben: Neulich hab ich erst den Deckel der Waschmaschine meines Vaters versehentlich abgeschlagen und dann vergessen, sie auszumachen. Sie als Frau können sich ja wohl vorstellen, was das heißt....", sagte sie. In Gedanken fügte sie noch.
"Im Gegensatz zu diesem Angeber von Wenzel" hinzu, es zu sagen verkniff sie sich aber.

Irgendwie sah die Professorin gerade so aus, als würde sie am liebsten losweinen wollen. Damit das nicht geschah, versuchte Jenny schnell das Thema zu wechseln.
"Worum wird es denn in Ihrer heutigen Vorlesung gehen?" Insgeheim hoffte Jenny, es wäre ein Thema, das schon mal behandelt worden war, weil sie sich dann etwas freie Zeit gönnen könnte. In der Vorlesung natürlich, wei Frau Lavie bestimmt tödlich gekränkt wäre, wenn sie dem Unterricht fernblieb.

"Sagen Sie mal, finden SIe nicht, dass es langsam mal an der Zeit wäre nach fast 10 Jahren hier, eine Sprache anzubieten? Ich meine, dann hätte ich wenigstens einen Grund, irgendwann mal wieder hierher zurückzukehren!" Als sie das aussprach, konnte sich Jenny ein leichtes Grinsen nicht verkneifen und hoffte, dass die Germanistikprofessorin es nicht mehrken würde.
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Danielle Lavie
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BeitragThema: Re: Die Gänge im zweiten Stock   Do Feb 09, 2012 4:25 pm

"ohja, die Technik...", Danielle lachte hell, "nun, dass ich damit nicht zurechtkomme, dass ist ja inzwischen schon so gut wie jedem hier bekannt. Manchmal kommt mir diese ganze moderne Technik wie ein einziges großes Ungeheuer vor, dass es nur und einzig allein darauf abgesehen hat, mir Steine in den Weg zu legen. Dabei soll die Technik uns doch eigentlich den Alltag erleichtern statt alles zu verkomplizieren, oder? Naja, vielleicht liegt es auch einfach an mir", Danielle lachte wieder leise auf, "Vielleicht bin ich auch einfach zu blöde dafür".
Professor Lavie strich sich eine Haarsträhne und ergänzte dann: "aber dass Sie, liebe Jenny, die Sie doch so viel jünger sind als ich, auch gelegentlich mal Ihre Probleme mit der Technik haben, das beruhigt mich ein wenig, es zeigt mir wenigstens, dass ich nicht die einzige bin, die damit nicht umgehen kann."
"Aber", sprach Danielle nach kurzer Pause weiter und blinzelte Jenny dabei verschwörerisch zu, "Sie und ich, wir sind ja beide Sprachlerinnen und die müssen nur das Nötigste von Technik verstehen. Und meine Vorlesung wird sich natürlich auch mit etwas meiner Meinung nach sehr viel angenehmeren beschäftigen, allerdings werde ich wie jedes Jahr eine kleine Einführung geben, in der ich einmal alle meine Germanistik-Studenten beisammen haben kann. Daher wird es nicht zu anspruchsvoll sein, sonst kommen doch die Erstsemester nicht mit. Ich werde vermutlich einen kleinen Überblick über die deutsche Literaturgeschichte geben und die in diesem Zusammenhang wichtigsten Schriftsteller ansprechen, eventuell schon einige Buchempfehlungen angeben, und dann möchte ich natürlich noch ein bisschen auf meine liebste Gattung der Literatur, die Lyrik, eingehen.
Dazu habe ich ein besonders schönes Gedicht ausgewählt, von Goethe, und mit diesem Gedicht möchte ich vielleicht noch ein bisschen arbeiten, je nachdem, wie uns die Zeit reicht.
Ich weiß, liebe Jenny, das ist alles nichts weltbewegendes, aber so ein bisschen Grundlagen schaden auch einem alten Hasen wie Ihnen nicht und Sie sollten sich nicht dazu verleiten lassen, bei solch scheinbar trivialen Dingen mal wegzuhören, denn das, liebe Jenny, ist ihr tägliches Handwerkszeug, vergessen sie das nie! Menschen sind immer Produkt ihrer Zeit und ihre Literatur auch, damit sollte man nie den historischen Hintergrund aus den Augen verlieren, und Gattungsmerkmale brauchen auch Sie immer wieder, auch wenn das im Deutschen nun wirklich nicht so schwer ist, vergessen sollte man sie nie.
Und ich bin mir sicher, dass sich unter meinen Buchempfehlungen für dieses Semester auch einiges findet, was Sie noch nicht kennen. Zumindest hoffe ich das!"
Danielle lächelte ihre Studentin fast schon liebevoll an. Ein bisschen stolz war sie auf ihren ersten Jahrgang ja schon...
"Ob wir irgendwann weitere Studiengänge hier anbieten werden, das zu entscheiden obliegt leider nicht allein mir. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt", beantwortete Danielle die letzte von Jenny`s Fragen und sah dann auf die Uhr - und erschrak.
"Was? So spät schon? Ohje, ich muss ja noch meine Tasche aus meinem Büro holen, da sind ja meine ganzen Unterlagen drin! wie konnte ich die nur vergessen?", sagte sie dann leise zu sich selbst.
Jetzt aber schnell, sonst komme ich noch zu spät in meine Vorlesung!
Danielle warf Jenny noch ein flüchtiges Lächeln zu, dann machte sie auf dem Absatz kehrt und stürzte zu ihrem Büro.

tbc.: Das Büro der Direktorin
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